Marketer Talk mit Kai Hudetz
Das sind die Themen:
Der unterschätzte Riese des Handels Der Großhandel wird in der öffentlichen Wahrnehmung systematisch unterschätzt, obwohl er mit 1,4 Billionen Euro Jahresumsatz fast doppelt so groß ist wie der Einzelhandel. Rund 70.000 Unternehmen bewegen sich dabei in völlig unterschiedlichen Geschäftsmodellen, vom Pressegroßhandel bis zum Stahlhandel. Wer B2B-Zielgruppen erreichen will, sollte diese Heterogenität ernst nehmen, statt mit einer einheitlichen Ansprache zu arbeiten.
Mehrwert statt reine Prozesskosten Reine Prozesskostenoptimierung reicht als Existenzgrundlage für Zwischenhändler längst nicht mehr aus. Entscheidend ist heute die Markterschließung: Wer als regionaler Anbieter direkten Zugang zur Zielgruppe hat, bleibt relevant, selbst wenn Hersteller zunehmend eigene Vertriebswege aufbauen. Wer diesen Zugang nicht klar kommuniziert, verliert schnell an Bedeutung gegenüber Herstellern, die selbst direkt an Endkunden verkaufen.
Serviceportal schlägt Onlineshop Ein Onlineshop allein löst im B2B-Bereich kaum ein Problem, weil die reine Transaktion längst zur Commodity geworden ist. Entscheidend sind stattdessen Serviceportale, die Kunden von der Kaufvorbereitung bis zum After-Sales-Support begleiten. Wer Rechnungen, Bestellstatus und Lieferinformationen rund um die Uhr zugänglich macht, entlastet nicht nur den Kundenservice, sondern schafft echten Mehrwert für anspruchsvollere Kunden.
Kleine Probleme zeigen großen Bedarf Kleine, alltägliche Probleme verraten oft mehr über den digitalen Bedarf als große Digitalisierungsstrategien. Ein Callcenter, das monatlich Hunderte Anrufe zur Frage „Wo ist meine Rechnung?" erhält, zeigt genau, wo ein Serviceportal ansetzen sollte. Wer solche wiederkehrenden Anfragen systematisch auswertet, findet die naheliegendsten und wirkungsvollsten Digitalisierungsprojekte für den eigenen Kundenservice.
Neue Technologien mit echtem Mehrwert Neue Technologien wie Bilderkennung per Smartphone oder smarte Brillen eröffnen im B2B-Bereich einen größeren Mehrwert als im Endkundengeschäft, weil die zugrundeliegenden Probleme komplexer sind. Wer auf der Baustelle die Hände frei braucht, profitiert von Lösungen, die Produkte automatisch erkennen und passendes Material vorschlagen. Solche Anwendungen lohnen sich besonders dort, wo Zeitdruck und komplexe Entscheidungen zusammentreffen.
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