Marketer Talk mit Harald Fortmann
Das sind die Themen:
KI trifft jetzt auch das Management – und das ist neu Über lange Zeit hat Digitalisierung in erster Linie operative Positionen und Workbench-Tätigkeiten bedroht. Mit KI ändert sich das fundamental. Zum ersten Mal sehen wir Einsparungen auch auf Mittelmanagement- und Topmanagement-Ebene. Das hat mit Prozessautomation zu tun, aber auch damit, dass Manager einzeln produktiver werden. Die Anzahl der benötigten Führungskräfte sinkt – nicht, weil die Arbeit weniger wird, sondern weil die einzelne Person deutlich mehr leisten kann.
Vorsicht vor der Umweltlüge: KI als Vorwand für Sparmaßnahmen Was aktuell passiert, hat oft wenig mit echter KI-Integration zu tun. Unternehmen, die wirtschaftlich schwer haben, nutzen die Digitalisierungsdebatte als Rechtfertigung für Entlassungen. Das klingt besser als: „Unser Geschäft läuft gerade nicht." Dazu kommt das Corona-Problem: Viele Firmen bauten in der Pandemie zu viel Management auf. Das Abbau-Problem ist also auch hausgemacht, nicht nur KI-getrieben. Wer wirklich KI implementiert, merkt schnell: Prozesse müssen komplett neu gedacht werden – und brauchen damit weniger Management.
Juniorstellen verschwinden – das ist das große Problem Die Stellenportale zeigen ein klares Bild: Offene Positionen für Juniorstellen sind um 34 bis 97 Prozent gesunken – je nachdem, in welcher Branche. Beratungsintensive Berufe und Marketing sind besonders stark betroffen. Das schafft ein System-Problem: Ohne Einstiegspositionen fehlen morgen erfahrene Mitarbeiter. Unternehmen sparen heute und sägen damit an der Zukunft ihrer Belegschaft.
Der Prozess ist noch nicht zu Ende – und das ist die Chance Viele Unternehmen machen einen häufigen Fehler: Sie legen KI über bestehende Prozesse und optimieren marginal, statt Prozesse komplett neu zu denken. Das ist das Gegenteil echter Transformation. Deshalb sind wir noch nicht am Ende – wir sind am Anfang. Investitionen sind bisher viel zu gering für echten Impact. Aber genau diese Phase bietet die größte Chance für Unternehmen, die jetzt neu denken und handeln.
Neugier ist die Super-Power für morgen Was am Ende zählt: Menschen mit intrinsischer Motivation, die neugierig bleiben und sich weiterentwickeln. Schulen und Unis trainieren Neugier systematisch ab – das muss sich ändern. Ohne echtes Upskilling wird es problematisch. Manche Menschen können nicht nachgeschult werden – dann braucht es Lösungen wie bedingungsloses Grundeinkommen. Das ist eine politische Frage, die real ist und ernst genommen werden muss.
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